
Autor:
Louis-Ferdinand Céline (1894 - 1961) war ein französischer Schriftsteller und promovierter Arzt. Bekannt wurde er 1932 durch diesen Roman. Er wuchs in unglücklichen und ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der Schule scheiterten Versuche, Handelsassistent zu werden, also ging er zur Armee und wurde im 1. Weltkrieg bereits 1914 schwer verwundet. Dienstuntauglich, aber als 'Kriegsheld' standen ihm nun mehr Türen offen, er arbeitete u.a. in London an der französischen Botschaft und konnte ab 1918 Medizin studieren, er wurde Seuchenarzt und arbeitete an verschiedenen Hygieneprojekten auf der Welt. Politisch belastet ist er durch seinen Antisemitismus und seine Kollaboration 1940–44 mit den deutschen Besatzern, was die Wertschätzung seines Werks in Frankreich aber bis heute nicht wesentlich beeinträchtigt.
Buch:
Dieser Episodenroman ist Celines erster Roman und sein zweites literarisches Werk (nach einem Bühnenstück) überhaupt, es machte ihn schlagartig bekannt, auch weil das Werk sehr umstritten war. Vom 'Spiegel' wird es zu den 100 besten Romanen der letzten 100 Jahre gezählt.
Hauptfigur:
Der Protagonist Bardamu hat sich freiwillig zur Armee gemeldet und kämpft nun als einfacher Soldat im 1. Weltkrieg gegen die Deutschen, verwundert über den Krieg, denn er war in Deutschland zeitweise zur Schule gegangen. Schonungslos beschreibt er die Gräuel des direkten Kampfes an der Front und die ständige Angst vor dem Tod.
In diesem Beruf, dem, sich umbringen zu lassen, darf man nicht zimperlich sein, da muss man so tun, als ob das Leben weiterginge, und diese Lüge, die ist das Härteste.
Der Roman ist nicht gespickt mit vielen konkreten Handlungen, sondern durchwirkt von den Betrachtungen von Bardamu aus der Sicht als älterer Mann, die vorkommenden Personen haben zwar Namen, aber keine ausgearbeitete Persönlichkeit.
Nach einer Kriegsverletzung kehrt Bardamu nach Paris zurück und lernt in der Oper die amerikanische Krankenschwester Lola kennen, zu der er sich körperlich hingezogen fühlt. Für ihn dreht sich aber alle darum, nicht sterben zu wollen, den Krieg lehnt er total ab und als er Fieber bekam, kommt er auf eine Krankenstation, wo untersucht wird, ob er für die Front heilbar ist oder als Simulant entweder in die Irrenanstalt oder vor ein Erschießungskommando gehört. Lola verlässt ihn ob seines fehlenden Patriotismus. Genauso wie später Musyne, mit der er während seiner Rekonvaleszenz kurz liiert war. Aber durch allerlei Aufschneidereien und Lügen gelingt es ihm, die Armee verlassen zu können.
Er begibt sich auf einen alten Frachter und fährt mittellos in Richtung französischer Kolonien nach Afrika. Er landet im Dschungel auf einem kleinen Außenposten einer französischen Handelsfirma. Das Leben dort ist unerträglich, durch dreckiges Wasser und schlechtes Essen ist der ständig krank, die Einheimischen wuseln um ihn herum, Kommunikation gibt es aber keine. Die Schwarzen heißen in diesem Buch noch Neger und sie werden mit allen gängigen Vorurteilen beschrieben, ohne aber dass die weißen Kolonialisten irgendwie besser dargestellt werden.
Von dort treibt es ihn eines Tages wider weg, er landet in den USA, erst in New York, später in Detroit, wo er bei Ford arbeitet, die Entfremdung der Arbeit beklagt und wo er Lola wieder trifft, die ihn eine Weile aushält, da sie als Prostituierte über relativ viel Geld verfügt. Und sie ermuntert ihn, doch aus seinem Leben etwas zu machen. Schließlich kehrt Bardamu nach Frankreich zurück, studiert Medizin und lässt sich als Arzt in einem Banlieu der Stadt nieder. Wieder beschreibt er die deprimierenden Bedingungen, hat erst kaum Patienten, später behandelt er viele, erhält aber kein Geld dafür, so dass er selbst darben muss.
Nun, nach knapp 400 Seiten wird mir das hier beschriebene Leben einfach zu langweilig, die Menschen in Bardamus Umgebung gegeben irgendwie nicht so viel her, um mich zu interessieren. Daher beende ich meine Lektüre an dieser Stelle, die weiteren knapp 300 Seiten des langen Romans bleiben damit mir unerschlossen.
Lesespaßfaktor:
Das Werk strahlt einen zutiefst pessimistischer Grundton aus: "..., wir sind die Lustknaben von König Elend.". Es ist zunächst ein Antikriegsbuch, insgesamt ein Werk, dass die einfachen Leute darstellt, die eben auch das Kanonenfutter im Krieg sind. Das Werk ist keine chronologische Erzählung, es sind eher Erinnerungsfragmente, die so nach und nach hochkommen, eine innere Struktur der Erzählung gibt es nicht, etwas wie der Protagonist aus der Krankenstation herausgekommen ist. Das Buch ist weniger ein Entwicklungsroman als eine distanzierte nachträgliche Betrachtung des ‚Helden‘. zynisch, lakonisch, aber mit der Zeit auch langatmig und wenig inspirierend.
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