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Montag, 4. Mai 2026

Edgar Hilsenrath - Der Nazi und der Friseur

 

Autor:

Edgar Hilsenrath war einer der ungewöhnlichsten und zugleich kompromisslosesten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. Geboren 1926 in Leipzig, wuchs er in einem jüdischen Elternhaus auf und erlebte als Jugendlicher die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er in ein Ghetto in Rumänien deportiert, eine Erfahrung, die sein späteres Schreiben tief prägen sollte. Anders als viele andere Autoren, die den Holocaust in einem ernsten, fast sakralen Ton behandelten, entwickelte Hilsenrath eine radikal andere literarische Stimme: Er verband grausame Realität mit bitterem Humor, Groteske und Satire.


Seine Werke sind nichts für Leser, die klare moralische Orientierung oder Trost suchen; sie zwingen dazu, sich mit den dunkelsten Seiten der Menschheit auseinanderzusetzen – und das oft auf eine Weise, die gleichzeitig schockiert und zum Lachen zwingt. Gerade diese Mischung macht ihn zu einer einzigartigen Stimme der Literatur des 20. Jahrhunderts.


Buch:

Besonders bekannt wurde sein Roman „Der Nazi & der Friseur“, in dem er die Geschichte eines SS-Mannes erzählt, der nach dem Krieg die Identität eines jüdischen Opfers annimmt. Das Buch erschien in deutscher Sprache erst 1977, wurde aber knapp 10 Jahre vorher geschrieben und im Ausland veröffentlicht. Für diese deutsche Ausgabe wurde gar das Schlusskapitel neu geschrieben

Hauptfiguren:
  • Max Schulz alias Itzig Finkelstein
  • Minna Schulz, seine Mutter
  • Chaim Finkelstein, jüdischer Inhaber eines Friseursalons
  • Itzig Finkelstein, sein Sohn
  • Anton Slavitzki, arischer Inhaber eines heruntergekommenen Friseurladens
Inhalt und Rezeption:

Der erste Teil handelt von der Vorkriegszeit in den 1920er Jahren in einer Kleinstadt, der Kindheit und Jugend von Max. Seine Mutter ist eine Prostituierte, daher weiß Max nicht, wer sein Vater ist, gleich 5 kommen in Frage. Mit seiner Mutter lebt er in armen Verhältnissen, wohnt bald mit seiner Mutter bei Anton. Er freundet sich mit Itzhak an und arbeitet später mit ihn zusammen im Friseursalon dessen Vaters. 

Nach der Machtergreifung Hitlers tritt Max mit Anton sofort in die Partei ein und wird Mitglied der SA, später geht er zur SS. Von Anfang an erfährt der Leser, dass diese Biografie von Max die Geschichte eines Massenmörders sein wird. Aber die eigentliche Kriegszeit und seine Rolle als Mörder Tausender Juden wird recht kurz abgehandelt.

Nach dem Krieg kehrt Max zurück in das zerstörte Deutschland, kommt in Warthenau bei einer etwas seltsamen Frau Holle, die Mutter eines toten Kriegskameraden unter und will "wieder Wurzeln schlagen und wieder ein anständiges Leben führen". Er führt nur einen Sack mit sich, in dem sich Goldzähne befinden, mit deren Hilfe er ein neues Leben anfangen will. Von Warthenau zieht er weiter nach Berlin, nimmt die jüdische Identität von Itzig  an, übersteht die Überprüfung, in dem er sich eine KZ-Nummer tätowieren und sich beschneiden lässt und wird ein erfolgreicher Händler auf den Schwarzmarkt, auch weil er eine Beziehung zu einer antisemitischen Gräfin beginnt, die Mann und Vermögen verloren hat und einen reichen Sponsor sucht.

Die Gräfin verzockt sein Vermögen, er muss wieder von vorne anfangen und nach einer weiteren Zeit als kleiner Schwarzmarkthändler geht er schließlich nach Israel, schon auf der langen Überfahrt fängt er wieder an als Friseur zu arbeiten. Dieses Kapitel ist erzählt in der Form, dass Max als Itzig zu eben Itzig spricht. In Palästina angekommen, lebt er ganz kurze Zeit im Kibbuz, bevor er nach einer kurzen Reise durch seine neue Heimat in einem Friseursalon in Beth David anheuert. Er heiratet die verfette Nichte Mira seines Chefs (ein Symbol für die Reaktion auf den Hunger im KZ, in dem Mira gewesen war). Und er wird Mitglied einer jüdischen Terrorgruppe, die vor allem gegen die Besatzungsmacht England kämpft, später geht er zur jüdischen Untergrundarmee Haganah.

1948 wird der Staat Israel gegründet, Itzig wird ein honoriges Mitglied der neuen israelischen Gesellschaft, hat später seinen eigenen Salon und lebt mit Mira in einem schönen Haus. Aber seine Vergangenheit verläßt ihn natürlich nicht und als er in den 1960 er einen alten deutschen Bekannten wieder trifft, mit dem er auf dem Schiff nach Israel kam, lässt er durchblicken, dass Max Schulz noch leben könnte. Warum auch immer kommt es zu einem Prozess, aber die wahre Geschichte, die er dem Richter erzählt, ist dann so hanebüchen, dass man ihm nicht glaubt und ihn für verrückt erklärt. Aber auch dieser ‚Prozess‘ ist nur fiktiv.


Lesespaßfaktor:

Das Buch ist zynisch geschrieben, oft gar grotesk. Es gibt einig schöne  Sprachbilder ("Ich selbst war damals bloß ein kleiner Fisch. Ich hatte mich dem Teufel verschrieben, hatte mich mit Stiefeln und Uniform ans Rad der Geschichte gehängt, aber mein Gewicht fiel nicht sonderlich ins 'Gewicht'. Was ist schon ein kleiner Fisch? Und was ist schon eine Uniform? Und was sind schon ein paar Stiefel? Aber Millionen kleiner Fische ... mit Uniform und auch ohne ...mit Stiefeln und auch ohne ...all die kleinen Fische, die damals 'Ja' sagten und sich mit mir ans große Glücksrad gehängt hatten - die brachten das Rad in Schwung.) zeigen die erzählerische Kraft des Autors.

Aber daneben gibt es viel Vulgäres, klar das passt zu den Figuren im Buch, aber das hätte man literarisch auch besser ausdrücken können. Stilistisch interessant ist die wechselnde Erzählweise, mal ein Selbstgespräch, mal eine normale Erzählung und mal quasi ein Bericht an sein Alter Ego, seine jüdischen Freund Itzig aus Kindertagen.

Und die Gegensätze sind natürlich bewusst krass gesetzt, der Massenmörder der SS wird Kämpfer für den jüdischen Staat, die hungernde KZ-Insassin frisst sich zur dicksten Frau der Welt u.s.w. Den Mut hier aus Tätersicht die Shoa zu beschreiben, ein Täter, der sich ausgerechnet in einen Juden verwandelt, das ist schon eine spektakuläre Idee. Wäre das literarisch besser komponiert worden, dann hätte mir der Roman besser gefallen. Aber in Erinnerung bleibt er!

 ♡ ♡





Mittwoch, 29. April 2026

Hanns-Josef Ortheil - Schwebebahnen

 

Autor:

Hanns-Josef Ortheil ist ein bedeutender deutscher Autor, Essayist und Professor für Kreatives Schreiben. Er wurde 1951 in Köln geboren und zählt zu den produktivsten und vielseitigsten Gegenwartsautoren im deutschsprachigen Raum. Ortheil wuchs in einer stark von Musik geprägten Familie auf. Ursprünglich wollte er Pianist werden und studierte sogar Musik, bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte. Ein prägendes Element seiner Kindheit war, dass er lange kaum sprach; diese Erfahrung hat später viele seiner Texte beeinflusst, in denen es oft um Sprache, Wahrnehmung und Erinnerung geht.

Buch:

Das Werk erschien 2025 und ist eine Empfehlung meiner Mutter. 


Inhalt und Rezeption:

Der kleine Josef ist 7 Jahre alt, ein ganz besonderes Kind, introvertiert und hochbegabt, er spielt Klavier und fängt bereits früh mit dem Komponieren an, wobei ihm sein absolutes Gehör hilft. In der Kölner Grundschule kommt er nicht gut zurecht, so dass seine Eltern sich entschließen, nach Wuppertal zu ziehen, wo sein Vater bei der Bahn arbeitet uns seine Mutter eine kirchliche Bibliothek in einer Gemeinde mit aufbaut.

In Wuppertal lernt Josef bereits am ersten Tag eine neue Freundin kennen, die sich Mücke nennt, da sie ihren eigentlichen Namen Lisa nicht mag. Sie ist das genaue Gegenteil von Josef, quirlig, kommunikativ und lebenslustig. Die beiden verstehen sich bestens und verbringen jede freie Minute zusammen.

Die Geschichte entwickelt sich weiter, Josef geht erneut in die erste Klasse einer Grundschule, ist hier aber auch ein Außenseiter. Allerdings kümmert sich die junge Rektorin um ihn und versucht auch, seiner Mutter klar zu machen, wie besonders und anders Josef ist, was seine Eltern nicht wahrhaben wollen, da sie ihn ein normales Leben leben lassen wollen. 

Über die Dinge, für die er eine Passion entwickelt, wie z.B. Eisenbahnfahrpläne, Musik oder Laufen, weiß Josef schnell alles, aber alles, was andere Kinder in seinem Alter so machen, interessiert ihn überhaupt nicht. Als sein Vater, der aufgrund seiner Probleme mit seinem Vorgesetzten einen Zusammenbruch erleidet ist es Josef, der ihn zurück ins Leben führt. Am Ende versuchen die beiden, für die Familie eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird, sie ziehen nach Mainz und Josef und Mücke finden eine Lösung, regelmäßig in Kontakt zu bleiben.

Lesespaßfaktor:

Seit sehr langer Zeit hat mich ein Roman nicht so sehr berührt wie dieser. Mit sehr präziser Sprache wird aus der Sicht des kleinen Genies Josef eine Geschichte erzählt, wie sich das Leben eines Außenseiters entwickeln kann, der in sich und in seinen Gedanken bzw. Träumen gefangen ist, aber durch die wunderbare kindliche Freundschaft ganz viel Lebensfreude entwickelt. 

Die Geschichte spielt in den 50er Jahren und als Leser konnte ich so richtig in diese frühe Nachkriegszeit eintauchen, als die Menschen noch kriegsgeschädigt waren, als es um Wideraufbaus und ein geregeltes Leben ging und als Kinder, die anders waren, ausgegrenzt wurden. Die Schwebebahn in Wuppertal steht symbolisch für den Verlauf eines solchen Lebens, zwischen Himmel und Erde, den eigenen Sinn och suchend. 

Kurzum, ein großartiges Buch!





Freitag, 10. April 2026

Louis-Ferdinand Celine - Reise ans Ende der Nacht

 


Autor:

Louis-Ferdinand Céline (1894 - 1961) war ein französischer Schriftsteller und promovierter Arzt. Bekannt wurde er 1932 durch diesen Roman. Er wuchs in unglücklichen und ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der Schule scheiterten Versuche, Handelsassistent zu werden, also ging er zur Armee und wurde im 1. Weltkrieg bereits 1914 schwer verwundet. Dienstuntauglich, aber als 'Kriegsheld' standen ihm nun mehr Türen offen, er arbeitete u.a. in London an der französischen Botschaft und konnte ab 1918 Medizin studieren, er wurde Seuchenarzt und arbeitete an verschiedenen Hygieneprojekten auf der Welt. Politisch belastet ist er durch seinen Antisemitismus und seine Kollaboration 1940–44 mit den deutschen Besatzern, was die Wertschätzung seines Werks in Frankreich aber bis heute nicht wesentlich beeinträchtigt.

Buch:

Dieser Episodenroman ist Celines erster Roman und sein zweites literarisches Werk (nach einem Bühnenstück) überhaupt, es machte ihn schlagartig bekannt, auch weil das Werk sehr umstritten war. Vom 'Spiegel' wird es zu den 100 besten Romanen der letzten 100 Jahre gezählt. 

Hauptfigur:
  • Ferdinand Bardamu
Inhalt und Rezeption:

Der Protagonist Bardamu hat sich freiwillig zur Armee gemeldet und kämpft nun als einfacher Soldat im 1. Weltkrieg gegen die Deutschen, verwundert über den Krieg, denn er war in Deutschland zeitweise zur Schule gegangen. Schonungslos beschreibt er die Gräuel des direkten Kampfes an der Front und die ständige Angst vor dem Tod.

In diesem Beruf, dem, sich umbringen zu lassen, darf man nicht zimperlich sein, da muss man so tun, als ob das Leben weiterginge, und diese Lüge, die ist das Härteste. 
Der Roman ist nicht gespickt mit vielen konkreten Handlungen, sondern durchwirkt von den Betrachtungen von Bardamu aus der Sicht als älterer Mann, die vorkommenden Personen haben zwar Namen, aber keine ausgearbeitete Persönlichkeit. 

Nach einer Kriegsverletzung kehrt Bardamu nach Paris zurück und lernt in der Oper die amerikanische Krankenschwester Lola kennen, zu der er sich körperlich hingezogen fühlt. Für ihn dreht sich aber alle darum, nicht sterben zu wollen, den Krieg lehnt er total ab und als er Fieber bekam, kommt er auf eine Krankenstation, wo untersucht wird, ob er für die Front heilbar ist oder als Simulant entweder in die Irrenanstalt oder vor ein Erschießungskommando gehört. Lola verlässt ihn ob seines fehlenden Patriotismus. Genauso wie später Musyne, mit der er während seiner Rekonvaleszenz kurz liiert war. Aber durch allerlei Aufschneidereien und Lügen gelingt es ihm, die Armee verlassen zu können.

Er begibt sich auf einen alten Frachter und fährt mittellos in Richtung französischer Kolonien nach Afrika.  Er landet im Dschungel auf einem kleinen Außenposten einer französischen Handelsfirma. Das Leben dort ist unerträglich, durch dreckiges Wasser und schlechtes Essen ist der ständig krank, die Einheimischen wuseln um ihn herum, Kommunikation gibt es aber keine. Die Schwarzen heißen in diesem Buch noch Neger und sie werden mit allen gängigen Vorurteilen beschrieben, ohne aber dass die weißen Kolonialisten irgendwie besser dargestellt werden. 

Von dort treibt es ihn eines Tages wider weg, er landet in den USA, erst in New York, später in Detroit, wo er bei Ford arbeitet, die Entfremdung der Arbeit beklagt und wo er Lola wieder trifft, die ihn eine Weile aushält, da sie als Prostituierte über relativ viel Geld verfügt. Und sie ermuntert ihn, doch aus seinem Leben etwas zu machen. Schließlich kehrt Bardamu nach Frankreich zurück, studiert Medizin und lässt sich als Arzt in einem Banlieu der Stadt nieder. Wieder beschreibt er die deprimierenden Bedingungen, hat erst kaum Patienten, später behandelt er viele, erhält aber kein Geld dafür, so dass er selbst darben muss.

Nun, nach knapp 400 Seiten wird mir das hier beschriebene Leben einfach zu langweilig, die Menschen in Bardamus Umgebung gegeben irgendwie nicht so viel her, um mich zu interessieren. Daher beende ich meine Lektüre an dieser Stelle, die weiteren knapp 300 Seiten des langen Romans bleiben damit mir unerschlossen.




Lesespaßfaktor:

Das Werk strahlt einen zutiefst pessimistischer Grundton aus: "..., wir sind die Lustknaben von König Elend.". Es ist zunächst ein Antikriegsbuch, insgesamt ein Werk, dass die einfachen Leute darstellt, die eben auch das Kanonenfutter im Krieg sind. Das Werk ist keine chronologische Erzählung, es sind eher Erinnerungsfragmente, die so nach und nach hochkommen, eine innere Struktur der Erzählung gibt es nicht, etwas wie der Protagonist aus der Krankenstation herausgekommen ist. Das Buch ist weniger ein Entwicklungsroman als eine distanzierte nachträgliche Betrachtung des ‚Helden‘. zynisch, lakonisch, aber mit der Zeit auch langatmig und wenig inspirierend.


Freitag, 30. Januar 2026

Alberto Moravia - Die Römerin

 

Autor:

Alberto Moravia (1907–1990) war ein bedeutender italienischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des realistischen und gesellschaftskritischen Romans in Italien. In seinen Werken thematisierte er häufig Entfremdung, sexuelle Moral, Machtverhältnisse, Langeweile und den geistigen Verfall des Bürgertums, besonders im Kontext des italienischen Faschismus und der Nachkriegszeit. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen „Gli indifferenti“ (Die Gleichgültigen), „La noia“ (Die Langeweile) und „Il conformista“ (Der Konformist), von denen mehrere erfolgreich verfilmt wurden. Moravia schrieb zudem Essays, Kurzgeschichten und Reiseberichte. Sein klarer, nüchterner Stil und seine psychologische Genauigkeit machten ihn international bekannt.

Buch:

Das Werk zählt zur Jahrhundertedition des Bertelsmann Clubs und steht seit vielen Jahren in meiner Bibliothek. Veröffentlicht wurde das Buch erstmals 1947 unter dem Titel 'Adriana - Ein römisches Mädchen'. Das Werk wurde von der katholischen Kirche auf den Index gesetzt, da es als anstößig galt. Mal sehen!

Hauptfiguren:
  • Adriana,
  • ihre Mutter, Näherin
  • Gino Molinari, ein junger Mann aus der Nachbarschaft, Chauffeur
  • Gisella, ebenfalls ein Modell und ihre Freundin
  • Stefano Astarita, ein reicher Freund von Ricardo
  • Giacomo 'Mino' Diodati, ein junger Mann, mit dem Adriana sich anfreundet
  • Sonzogno, ein früherer Arbeitskollege von Gino
Inhalt und Rezeption:

Erster Teil:

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der älteren Ich-Erzählerin. Zu Beginn ist Adriana 16 Jahre alt, bildhübsch und beginnt als Aktmodell für Maler zu arbeiten, wie dies ihre Mutter, mit der sie zusammenlebt, auch schon getan hatte. Sie leben in Rom in armen Verhältnissen, ihr Vater ist gestorben und ihre Mutter arbeitet als Näherin. Beide träumen von einem besseren Leben. Die Mutter will die Schönheit der Tochter zu Geld machen. So soll sie Tänzerin in einem Varieté werden, aber dafür ist sie nicht geeignet, sie sei eher eine Amme. Sie selbst träumt von einer bürgerlichen Existent als Ehefrau mit eigenen Kindern. 

Eines Morgens lernt sie Gino kennen, der sie fortan morgens zu den Studios der Maler fährt und da er sich nicht leicht belästigt, verliebt sie sich in ihn und verlobt sich mit ihm und hält ihn zunächst für einen guten Mann. Moravia schafft es hier schon, dass der Leser direkt weiß, dass es dabei nicht bleiben wird. 
"Und es ist allbekannt, daß die Liebe eine Brille ist, durch die selbst ein Ungeheuer anziehend wirken kann."

Adriana wird von Gino entjungfert, ihre Mutter glaubt danach, dass er sie nicht mehr heiraten werde, da er schon alles hatte, was er begehrte. Und sie lernt die körperliche Befriedigung schätzen. Nicht nur ihre Mitter, sondern auch ihre neue Freundin Gisella missbilligen die Verlobung, sie versucht vielmehr, Adriana auf ihr Niveau herabzuziehen, also lieber für schöne Kleider mit reichen, wenn auch verheirateten Männer auszugehen als tugendhaft an einer Verlobung mit einem armen Chauffeur festzuhalten. Entsprechend hält Gino nichts von Gisella. Aber sie hat Erfolg: Auf einem Ausflug zusammen mit Stefano machen sie Adriana betrunken, so dass Stefano es leicht hat, sie gegen ihren Willen zum Sex zu zwingen, indem er droht, ihrem Verlobten von dem Ausflug zu erzählen. Aber dieser Vorfall machte Adriana hart und abweisend und sie akzeptiert erstmals Geld für die hier noch unfreiwillige Bereitstellung ihres Körpers.

Stefano ist aber so verliebt in Adriana, dass er seine Stellung bei der politischen Polizei ausnutzt, um ihr mitzuteilen, dass Gino bereits verheiratet sei. Sie ist zunächst traurig, aber beschließt dann, von nun an ihre Geld mit ihrer Schönheit zu verdienen und nicht mehr als Modell oder Hilfsnäherin zu arbeiten. Ein Handelsvertreter, den Gisella ihr zuführt, ist der erste Freier, ein selbstverliebter, langweiliger Mann, den sie mit nach Hause nimmt und damit gerade ihre Mutter düpiert. Schonungslos werden die jeweiligen Motive des Freiers und von Adriana dargestellt.

Sie legt ihre unterwürfige Art  und beginnt mit den Männern zu spielen. Zuvorderst mit Gino, den sie kalt abserviert, ohne ihm direkt zu sagen, dass sie weiß, dass er verheiratet ist. Das ist so wunderbar zynisch! Aber dennoch leidet Adriana unter ihrer neuen Rolle, unter dem kühlen Panzer befindet sich immer noch die sensible Seele des jungen, unschuldigen Mädchens. Zwar habe sie und ihre Mutter nun mehr Geld, aber das wird auch sofort ausgegeben, die Mutter hört auf zu arbeiten, wird träge und dick, Adriana kauft mehr Kleidung und fängt schnell an, sich in der neuen Routine zu langweilen. 

Zweiter Teil:

Es ist einige Zeit vergangen. Adriana geht ihrem Beruf nach, eines Tages lernt sie den politischen Aktivisten (Gegner des Mussolini Regimes) Giacomo 'Mino' kennen, als sie zusammen mit Gisella von zwei Männer angesprochen wird. In ihn verliebt sie sich, aber er weist sie zunächst zurück. Gino stellt ihr Sonzogno vor, einen gewalttätigen Schläger und Mörder, mit dem sie schlechte Erfahrungen macht, aber gleichzeitig auch von seiner macht und Rohheit angezogen wird; es dreht sich um eine von ihr vormals bei Ginos Chefin gestohlene Puderdose, wegen der dieser einen Juwelier getötet hat und wegen der ein unschuldiges Hausmädchen in Haft sitzt. Adriana schaltet Astarita ein, um das Hausmädchen zu retten.

Mino kommt zu Besuch und bittet sie, Unterlagen für ihn aufzubewahren, was sie gerne akzeptiert, da sie sie (einseitig) in ihn verliebt ist. Später besucht sie ihn, ihre Beziehung ist aber irgendwie seltsam, er ist gleichzeitig emotionslos distanziert und doch auch von ihr angezogen, liebt sie aber nicht und macht sich oft über sie lustig. Aber für Adriana ist es bisher die engste Beziehung, sie arbeitet zwar weiter als Prostituierte, aber sie glaubt nun, dabei Mino zu betrügen. Und dann trifft sie Sonzogno wieder und die Hoffnung auf ein neues Leben schwindet dahin, er schlägt sie und sie flüchtet vor ihm aus ihrem eigenen Zimmer, nur um festzustellen, dass am selben Tag Mino verhaftet wurde und kurze Zeit später die Polizei deshalb bei ihr vorbeischaute, dort ausgerechnet Sonzogno antraf, der einen Polizisten erschoss, flüchtete und nun glaubte, sie hätte ihn verraten.

Es stellt sich heraus, dass Mino nach seiner Verhaftung seine politischen Freunde verraten hat und deshalb, genauso wie aufgrund Adrianas Fürsprache bei Astarita, wieder entlassen wurde, sich nun aber mit Gewissensbissen quält. 

Adriana ist schwanger, ausgerechnet der Mörder Sonzogno ist ihrer Meinung der Vater, sie erzählt aber Mino, er sei der Vater, das ist ihre Hoffnung, dass er sie doch richtig zu lieben lernen könnte. Showdown: Die drei wichtigsten Männer in Adrianas Leben verschwinden: Astarita wird von Sonzogno wegen eines vorhergehendes Streites ermordet, der daraufhin von einem Unbekannten erschossen wird (war es vielleicht Mino?) und Mino verschwindet in derselben Nacht, er hat sich selbst erschossen, da er nicht über seinen Verrat hinwegkam und seinen Gefühlen für Adriana nicht trauen wollte.


Lesespaßfaktor:

Dieser Roman ist ein Werk über die Liebe, die Zerrissenheit, die Armut , über den Wunsch nach einem bürgerlichen Leben und dann wieder auch nicht. Er ist sehr psychologisch aus der Sicht einer jungen Frau erzählt, die ihr Leben als junge Prostituierte verbringt und immer von einem anderen Leben träumt. Die Erzählung über die unreife Jugend aus der Sicht der reiferen, erfahrenen Erwachsenen zu erzählen, das ist gut konstruiert und führt zu schönen kleinen Spitzen über die jugendliche Naivität, gleichzeitig ist aber auch klar, dass die vermeintlich reife Selbstreflexion der jungen Adriana nicht realistisch ist, dann es spricht der reife, intellektuelle Erzähler Moravia.

Moravia versteht es, Menschen zu beobachten und zu beschreiben, so über Adrianas ersten Freier: "..., er sprach nicht wegen besserer Verständlichkeit so deutlich, sondern um sich selbst zuzuhören und den Klang seiner Worte zu genießen.". Für die 1940er Jahre war die schonungslose Darstellung des Berufes einer Prostituierten vermutlich ziemlich radikal, so verwundert die Reaktion der Kirche auf diesen Roman nicht. 

Die Liebe ist oft einseitig, Adriana wird hoffnungslos geliebt von Astarita, den sie nicht liebt, umgekehrt geht es ihr mit Giacomo. Es geht auch um Armut und Reichtum, Adriana ist zwar schön, aber eben auch arm und ungebildet. Ein schönes Zitat: „Der Reiche liebt die Armen ganz gewiss nicht, aber er fürchtet sie auch nicht; er weiß selbstgefällig und stolz die Distanz zu wahren.“ 

Mir hat das Buch gut gefallen, es ist auch spannend zu lesen, dem Leser geht das Schicksal der Protagonistin und ihrer Träume nahe. Ein letztes schönes Zitat: "So sieht jeder das eigene Paradies in der Hölle der anderen."



Montag, 19. Januar 2026

Michael Köhlmeier - Das Philosophenschiff

 

Autor:

Michael Köhlmeier ist ein österreichischer Schriftsteller und Musiker, geboren 1949 in Hard am Bodensee. Bekannt wurde er vor allem durch seine zahlreichen Romane, Essays und seine freien Nacherzählungen antiker Mythen und biblischer Stoffe. Für sein vielseitiges Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Österreichischen Staatspreis für Literatur.

Buch:

Der Titel des Buches referenziert auf Schiffe, die russische Intellektuelle in den Westen brachten, die alle nicht mehr erwünscht waren im neuen bolschewistischen System, aber andererseits nicht als so gefährlich galten, dass man sie gleich hätte beseitigen müssen. Ich habe irgendwo mal eine positive Kritik gelesen, weshalb das Werk auf meiner Leseliste gelandet ist. 

Hauptfiguren:
  • Frau Professor Anouk Perleman-Jacob (APJ)
  • Maria 'Mascha', ihre Mutter, Ornithologin
  • Michael 'Mischa', ihr Vater, Schriftsteller
  • Nikolai Gumiljow, Dichter und Liebhaber der Mutter
  • Agafon Abramowitsch Morosow, 
  • Alic Winegard, ihre amerikanische Assistentin
Inhalt und Rezeption:

Der namenlose Icherzähler ist ein Schriftsteller, der zur Feier des 100. Geburtstags der berühmten russisch-stämmigen Architektin APJ eingeladen wurde, da sie ihn engagieren will, über ihr Leben zu schreiben. 

Ihre Geschichte beginnt 1922 in St. Petersburg, es ist die Zeit nach der russischen Revolution, die Familie musste erst zwangsweise in eine kleinere Wohnung umziehen, wird dann des Landes verwiesen, weil der Vater, selbst ein Schriftsteller, einen terroristischen Schriftsteller kannte, der aber zu den Menschewiken und nicht den Bolschewiken gehörte und damit ein potenziell konterrevolutionäres Element war. Im zwischenmenschlichen Bereich hatte die Mutter von APJ während eines Aufenthaltes in Paris ein Verhältnis mit Nikolai, dem besten Freund ihres Mannes, hat sogar eine Schwangerschaft abgebrochen.

Auf dem Schiff, dem 'Philosophenschiff', das Platz für 2.000 Menschen hätte, sind nur 12 Passagiere und vier Aufseher, ein älteres Paar begeht gleich zu Beginn Selbstmord, ein junger Mann wird vorgeblich verhaftet, der scheinbar gezwungen wurde, zuzugeben, er habe die tödlichen Pillen an Bord gebracht. Später entpuppen sich diese Leute als die Eltern eines Attentäters, der einen Anschlag auf Lenin verübt haben soll. Kurz werden die anderen Passagiere vorgestellt und APJ sinniert darüber, warum sie auf dem Schiff gelandet sein könnten. Aber der Leser lernt keine der Personen wirklich kennen. 

Das Schiff bleibt für mehrere Tage irgendwo stehen, ein anderes Boot kommt und bringt einen weitere Passagier an Bord, der in der 1. Klasse residiert, das ist Lenin. Es gibt ein banales Gespräch zwischen der 14-jährigen und dem kranken Revolutionäre. Und dann kommt noch heraus, dass ihre Eltern auch die Eltern eins vermeintlichen Attentäters kannten, der wiederum mit Nikolai befreundet war, ein möglicher Grund für die Ausweisung der Familie. Das Schiff bleibt wieder stehen, ein weiterer Mann kommt an Bord, der redet auf Lenin ein, wirft ihn dann von Bord, ohne Namensnennung war das wohl Stalin. Ende des Buches. 

Ähnlich wie in der Rahmengeschichte, in der AJK's Assistentin kurz auftaucht, die eine linke Terroristin war, weshalb AJK aus den USA ausgewiesen wurde, wo sie als Professorin für Architektur lehrte. Apropos Terrorismus. Der namenlose Erzähler hat einen alten Freund, der RAF Sympathisant war. 

Lesespaßfaktor:

Die fiktive Geschichte wird verwoben mit realen historischen der russischen Geschichte nach der Oktoberrevolution von 1917. Sie ist aber doch etwas banal geschrieben. Die Bolschewiken waren schlecht - ja, das waren sie-, sie nutzen gezielt Propaganda für ihre Zwecke - ja, genau wie heute Putin. In Bruchstücken werden die verschiedenen Zwangsmaßnahmen der russischen Autoritäten erwähnt. Jeder sollte jedem misstrauen. 

Irgendwie werde ich mit dem Roman nicht so richtig warm, alles fühlt sich seltsam distanziert an. Und es gibt keine wirkliche Geschichte. Eigentlich soll über die Verbannung berichtet werden, dann geht es plötzlich um freie Liebe, was soll das? Für mich insgesamt ein schwacher Roman, es überrascht mich, dass das Buch ein Verkaufserfolg war. 



Montag, 12. Januar 2026

Liz Moore - Long Bright River

 

Autor:

Liz Moore, geb. 1983 in Boston, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die derzeit in Philadelphia an der Universität kreatives Schreiben unterrichtet. Seit 2007 veröffentlicht sie Romane, fünf sind bisher erschienen, ihr letzter stand 2024 auf der bekannten Leseliste von Obama

Buch:

Dieses Werk ist der 2020 erschienen vorletzte Roman und wurde auch als Serie verfilmt. Aufgrund sehr positiver Kritiken habe ich mir den Krimi ml auf meine Leseliste gesetzt. 

Hauptfiguren:
  • Michaela ‚Mickey’ Fitzpatrick, Polizistin in Philadelphia, 32 Jahre alt
  • Kacey Marie,  ihre drogenabhängige Schwester, 30 Jahre alt
  • Gee, ihre Großmutter mütterlicherseits
  • Eddie Lafferty, ihr neuer Kollege, 43 Jahre alt
  • Sergeant Ahearn, ihr Chef
  • Truman Dawes, ihr Expartner bei der Polizei, 52 Jahre alt
  • Thomas, ihr kleiner Sohn
  • Simon Cleare, Officer bei der Polizeisportgruppe
Inhalt und Rezeption:

Der Roman teilt sich in zwei Geschichte, eine ist eine Kriminalgeschichte um Morde an Prostituierten, die andere die Familiengeschichte, die dazu geführt, dass die beiden Schwestern völlig unterschiedliche Leben leben.

jetzt (Krimi):

Mickey wird mit ihrem neuen, etwas nervigen Kollegen, zu einem Tatort gerufen, eine junge, unbekannte Frau wurde ermordet, Mickey hat Angst, es könne sich um ihre Schwester handeln, die drogenabhängig ist, anschaffen geht und zu der sie seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr hat. Aber sie ist es nicht. Da es ein Mordfall ist, übernimmt Ahearn die Ermittlungen. Aufgrund ihres Interesses an dem Fall fragt Mickey immer wieder nach dem Stand der Ermittlungen, aber da tut sich nichts, eine Drogentote mehr oder weniger interessiert niemanden.  Erst als zwei weitere Prostituierte tot aufgefunden werden, beginnt eine Ermittlung. 

Mickey macht sich Sorgen um ihre Schwester und beginnt, intensiver nach ihr zu suchen. In einem kleinen Supermarkt, zu dem beide immer gehen, erfährt sie vom Ladenbesitzer, dass Kacey schon seit einem Monat verschwunden ist, ihre Besorgnis steigt. Sie nimmt Kontakt zu ihrer Familie auf, geht gar zu Thanksgiving zu ihrer Cousine Ashley. Und sie nimmt über Facebook zu Kacey Kontakt auf, erfährt dort, dass sie zuletzt gepostet hatte, die sie etwas tue, dass ihr Angst mache. Auch Truman, der wegen eines im Dienst zertrümmerten Knies krankgeschrieben ist, weiht sie ein. Als eine Freundin von Kacey sich ein Video anschaut, auf dem eine der Toten zu sehen ist, wie sie verfolgt wird, erkennt sie in dem Verdächtigen einen Polizisten. 

Es wird gefährlicher für Mickey, ihr Chef reagiert abweisend auf diese Nachricht, sie wird bedroht und wegen ihrer privaten Suchaktivitäten während der Dienstzeit suspendiert. Aber zusammen mit Truman sucht sie weiter. Es entwickelt sich ein Verdacht gegen Simon, als sie den aber zusammen mit Truman gegenüber einem Kollegen äußert, wird sie abgewiesen, auch weil ein Verdächtiger verhaftet wird. Aber ihre Zweifel bleiben. Zu Weihnachten erfährt sie, dass ihre Großmutter sie jahrelang belogen und Geld von ihrem Vater kassiert hat, obwohl sie den Enkeln sagte, ihre Vater sei tot. Außerdem weiss Gee, dass Kacey noch lebt und schwanger ist. Nachdem sie bei Gee Briefe ihres Vaters entdeckt, entschliesst sie sich, ihn zu suchen. Sie findet ihn mit einer neuen Familie und hört von ihm überraschenderweise, dass Kacey bei ihm lebt und an einem Methadon-Programm teilnimmt. 

Zurück zur Kriminalgeschichte. Die Tippgeberin wird ermordet aufgefunden, die Mickey den Hinweis auf einen Polizisten gab, der von der Polizei Inhaftierte musste aufgrund eines Alibis freigelassen werden. Sie ist mehr denn je in Gefahr. Ausgerechnet ihre Schwester gibt ihr dann den Hinweis, in der Szene glaube man, dass Mickey‘ Partner der Täter sei. Nun denkt sie, das sei Truman, verfolgt und stellt ihn, nur um herauszufinden, dass er Drogenabhängige mit dem Nötigsten versorgt. Schlagartig wird ihr klar, dass es sich dann nur um ihren neuen Partner handeln kann.

Und die beiden Schwestern finden wieder zueinander, natürlich steht es immer noch zwischen ihnen, dass Mickey ihrer Schwester den Sohn weggenommen hat, wenn auch aus guten Absichten. Kacey will helfen, Eddie zu überführen und dafür ihren Ex-Freund befragen, obwohl der sie grün und blau geschlagen hatte. Es kommt zum Showdown in einer Kirche, bei der letztlich Eddie verhaftet wird, Kacey hatte Truman vorher benachrichtigt. Eddie ist nicht nur der Mörder, er war auch korrupt

damals (Familiengeschichte):

Nun erfährt der Leser schrittweise den Grund für die Entfremdung der Schwestern. Zu Schulzeiten waren die beiden Schwestern sehr unterschiedlich, Kacey war extrovertiert, fand schnell Freunde, eckte bei den Erwachsenen an, Mickey war introvertiert und eine Außenseiterin. Die Mutter war früh gestorben, an Drogen, danach wuchsen bei bei der lieblosen Großmutter in finanziell prekären Verhältnissen auf, Mickey hat ihre Schwester praktisch allein großziehen müssen, obwohl sie nur 1 1/2 Jahre älter ist. Der  ebenfalls drogensüchtige Vater war kurz nach dem Tod der Mutter ausgezogen, die Mädchen sahen ihn kaum noch. 

Im Teenie Alter geriet Kacey in schlechte Kreise, Mickey fand sie eines Tages in einem besetzten Haus mit er Nadel im Arm, sie konnte gerade noch vom Notarzt gerettet werden. Hilfe und Unterstützung suchte und fand sie bei Officer Cleare, der sie nachmittags nach der Schule beim Polizeisportverein betreute, wohin ihre Großmutter ihre beiden Enkeltöchter geschickt hatte, um sie nachmittags beaufsichtigt zu wissen. Als Mickey eine Empfehlung fürs College bekam, weigerte sich ihre Großmutter als Vormund, die Anträge auf ein Stipendium zu unterzeichnen, von Geistesarbeit hielt man nichts in der Familie, also wurde sie im Alter von 20 Polizistin. Und sie begann eine heimliche Beziehung zum verheirateten Simon, von dem sie schließlich auch ihr Kind bekam.

Nach einem Gefängnisaufenthalt bleibt Kacey ein halbes Jahr clean, bevor das Erwartbare passiert , sie wird rückfällig, die glückliche Zeit der Geschwister ist schnell wieder vorbei. Simon bietet an, Kacey zu helfen, allerdings kommt er ihr dabei zu nahe, sie wird schwanger von ihm. Das Kind wird geboren, der Mutter weggenommen, Simon stimmt einem Arrangement zu, dass Mickey den Jungen als ihren Sohn aufzieht. Diese Wendung im Roman kommt für den Leser überraschend, das ist klasse konstruiert. Und der Grund, warum die beiden Schwestern aus der Jetztzeit betrachtet seit 5 Jahren keinen Kontakt mehr haben.


Lesespaßfaktor:

Dies ist ein wirklich fesselnder Roman, gleichzeitig eine spannenden Kriminalgeschichte, aber noch viel mehr eine schwierige Familiengeschichte von Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft leben, ihre Träume, ihre meist schlechten Erfahrungen. 

Es gibt in dem Buch sehr sorgfältige Ortsbeschreibungen, etwa über das Stadtviertel Kensington, das heutige Amerika in der Großstadt Philadelphia wird in all seinen Facetten (vorwiegend die Schattenseiten) genau beschrieben. Die Sprache ist einfach, aber schön, es gibt präzise beobachtete Stimmungen und Gefühle, gerade bei den Erinnerungen an die frühe Kindheit.

Moore mag ihre Figuren, besonders Mickey ist hervorragend ausgearbeitet, ausdifferenziert, der Leser lebt und leidet mit ihr. Das Verhalten Suchtkranker, die Verleugnung, der Diebstahl von Geld von der Familie und von Freunden, ist glasklar beschrieben ("Jeder Morgen eröffnet die Möglichkeit zur Veränderung, jeder Abend bringt die Scham, versagt zu haben."). Kaum auszuhalten, wenn von der Suchtkrankheit der Neugeborenen erzählt wird.

Die Bemühungen von Mickey, alles richtig zu machen, am Ende aber dabei häufig zu scheitern, das ist sehr eindringlich und intensiv beschrieben. Sie ist schüchtern, verantwortungsbewusst, traumatisiert durch ihre Kindheit und durch ihre frühen Lebenserfahrungen.

Auch wenn es in der Kriminalgeschichte ziemlich konstruiert ist, dass ausgerechnet drei Männer in Mickeys direkter Umgebung nacheinander die Verdächtigten sind, ist es aber trotzdem spannend. Am Ende bleibt der Leser etwas melancholisch zurück.






Mittwoch, 7. Januar 2026

Rainer Maria Rilke - Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

 

Autor:

Rainer Maria Rilke wurde 1875 in Prag geboren und zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern der Moderne. Nach einer schwierigen Kindheit und militärischer Ausbildung, die er früh abbrach, wandte er sich ganz der Literatur zu. Prägend für sein Werk waren ausgedehnte Reisen durch Europa, Russland und später nach Paris, wo er zeitweise als Sekretär des Bildhauers Auguste Rodin arbeitete. Rilkes Dichtung kreist um existenzielle Fragen von Liebe, Tod, Einsamkeit und Verwandlung. Rilke starb 1926 in der Schweiz, doch vor allem seine Gedichte wirken bis heute durch ihre zeitlose Intensität und innere Klarheit fort.

Dienstag, 16. Dezember 2025

Arno Geiger - Reise nach Laredo

 

Autor:

Arno Geiger (*1968 in Bregenz ) ist ein österreichischer Schriftsteller, der Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien studierte. 1997 publizierte er seinen ersten Roman ('Kleine Schule des Karussellfahrens'), für den Roman 'Es geht uns gut' erhielt er 2005 den Deutschen Buchpreis. Es folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen in ganz Europa. Heute ist er freier Schriftsteller.

Buch:

Bei meiner Beschäftigung mit der Weltgeschichte stieß ich vor einiger Zeit auf diesen im Jahr 2024 erschienen Roman, der die letzten Lebensjahre von einem Karl thematisiert, auch die Kritiken waren vielversprechend. Ich glaubte, es ginge um Karl den Großen, das tut es aber gar nicht. Vielmehr geht es um den habsburgischen Kaiser Karl V., der im 16. Jahrhundert als römisch-deutscher Kaiser regierte und gleichzeitig in Spanien als König Karl I. regierte.

Hauptfiguren:
Inhalt und Rezeption:

1558: Karl, 58 Jahre alt, lebt seit fast drei Jahren zurückgezogen in einem Kloster in einem kleinen spanischen Dorf namens Yuste, sein Körper ist verbraucht, er kann sich nur beschwerlich bewegen. Wenn er ein Bad nimmt, muss sein gichtgeplagter Körper mittels einer Hebevorrichtung ins Wasser gehievt werden. Seine 47 Bediensteten warten auf seinen Tod, um der Einsamkeit der Umgebung endlich entfliehen zu können. Er will sich selber erkennen, in den langen Jahres als König und Kaiser hat er das offenbar nicht herausfinden können.

Sein illegitimer Sohn Geronimo, der nicht weiß, dass Karl sein Vater ist und als Stallbursche im Kloster arbeitet, wird von Karl beauftragt, nachts zwei Reittiere vorzubereiten, damit sie zusammen das Kloster unbemerkt verlassen. Nun wird die Geschichte wie eine Version von Don Quijote (selbst Windmühlen kommen vor), sie retten ein Geschwisterpaar, die einer unterdrückten Minderheit angehören ('Cagots'), das von Männer misshandelt wurde, und bringen es in ein armseliges Haus einer heilkundigen Frau. Dort fällt Karl in einem wochenlangen Schlaf, als er aufwacht geht es dem Todgeweihten etwas besser, so dass sie weiterreisen können nach Laredo. Der misshandelte Honza hat sich inzwischen erholt und wird beauftragt, mit seinem Fuhrwerk Karl zu begleiten. 

 
Dieser Muli-Roadtrip ist nicht mehr so spannend zu lesen, da wird es m.E. etwas zu seicht. Karl bleibt inkognito und muss sich an das einfache Landleben anpassen. Er wird in der Toten Stadt beim Kartenspiel über das Ohr gehauen, er ist pleite, er lernt seinen Sohn etwas besser kennen, aber bislang auch nur oberflächlich, zu empathischen Gefühlen scheint Karl bislang nicht fähig zu sein. Hier fehlt aber Handlung! Es wird belanglos. Die kleine Reisegesellschaft sitzt in einem Wirtshaus fest, Karl prügelt sich mir dem Wirt, der hat ein Auge auf Angelita geworfen, ihr Bruder unterstützt das, er will die Verantwortung für sie offensichtlich loswerden, sie will aber nicht, was den Wirt verärgert. In der Nacht vor dem geplanten Aufbruch stürzt Honza aus dem Fenster und stirbt, war es wirklich ein Unfall? Aber sie befinden sich ja immer noch in der Toten Stadt!

Aber sie schaffen es, zu dritt weiterzureisen, in Laredo angekommen, verlässt sie auch Angelita. Am Meer angekommen gehen sie ins Wasser, für Karl das Ende seiner Lebensreise. Es war dann doch nur ein Traum, tatsächlich ist Karl im Kloster verstorben. Am Ende der Geschichte brechen dann Honza und Angelita zu zweit auf, um das Kloster zu verlassen und sich auf ihre Lebensreise zu begeben. 

Lesespaßfaktor:

Der Roman hat zu Beginn eine Fülle wirklich schöner Gedanken, viele in schöne Metaphern gekleidet, wie etwas diese her. " Karl ist vollständig in Schwarz gekleidet, damit sein Empfinden einen äußeren Ausdruck hat."

Die Geschichte verhängt verheißungsvoll an, der Leser möchte wissen, zu welchen Erkenntnissen Karl denn kommt bei seiner Begegnung mit der realen Welt des 16. Jahrhunderts. Aber leider verflacht die Geschichte mit dem Beginn der Reise nach Laredo. Sie wirkt auf mich unglaubwürdig, passt nicht zu einer historischen Person und wirkteher wie eine Rittergeschichte. Zum Ende hin kommen wieder etwas mehr Betrachtungen ins Spiel. Der zurückgetretene Kaiser erkennt sich als Mensch in der realen Welt, nicht als geborener König, dem automatisch Respekt gezeigt wird.

Die zahlreichen positiven Kritiken kann ich nur bedingt nachvollziehen.

♡♡

Hier ein paar der durchaus schönen Zitate, wenn sie auch manchmal wie Kalendersprüche wirken:

"Schönheit ist selten wahr und Wahrheit selten schön."
"Das Reden macht Mühe, wenn man um seine Wirkungslosigkeit weiß."
"Gute Vorsätze, die man nicht einlöst, sind schlimmer als schlechte Gewohnheiten."
"Es heißt, der Mensch ist das, was ihm bleibt, nachdem er alles verloren hat."
"Der Mensch ist zwar stark genug, um zu erkennen, dass ihm etwas fehlt, aber zu schwach, um das Fehlende zu finden
„Der Tod könnte schön sein, wenn man gelebt hat.“


Samstag, 6. Dezember 2025

Christian Kracht - Faserland

 

Autor:

Christian Kracht (* 1966) ist ein Schweizer Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist. Er wuchs in der Schweiz, Deutschland, den USA, Kanada und Südfrankreich -auch in mehreren Internaten- auf und studierte nach seinem Abitur 1985 Film und Literatur. Mitte der 1990er Jahre ging Kracht nach Neu-Delhi und arbeitete er als Indien-Korrespondent für den Spiegel. Später bereiste er von Bangkok aus Asien und verfasste darüber zahlreiche Reiseberichte, bevor er ein eigenes Magazin herausgab. Später kamen Tätigkeiten als Journalist und Kolumnist für die F.A.Z. hinzu, er schrieb ein Theaterstück. Aktuelle ist er Gastprofessor an der Universität Zürich, vorher war er auch für mehrere Jahre Generalbevollmächtigter und erster stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns. Er galt sogar als möglicher Kandidat für den Nobelpreis für Literatur des Jahres 2025. Seinen erster Roman war der hier zu besprechende, der 1995 veröffentlicht wurde, seit dem folgten sechs weitere sowie einige Veröffentlichungen zusammen mit anderen Autoren.

Buch:

Dieser Roman zählt heute zu den bekanntesten deutschsprachigen literarischen Texten der 1990er-Jahre und ist lt. des Autors der erste Teil eines Triptychons, bestehend aus den Romanen Faserland, 1979 und Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Das Werk wurde zunächst sehr kontrovers rezipiert und erst sehr viel später in seiner Bedeutung für die zeitgenössische deutsche Literatur erkannt. 

Hauptfiguren:
  • ein Icherzähler
  • Karin, eine Freundin
  • Nigel, ein Freund in Hamburg
  • Alexander, ein früherer Freund in Frankfurt
  • Rollo, ein Freund aus München
Inhalt und Rezeption:

Eins
Der Icherzähler ist auf Sylt und hat dort eine alte Freundin aus Internatstagen getroffen, mit der er über die Insel zieht. Übliche Klischees der 90er Jahre werden bemüht (Porschefahrer, Markenklamotten, Champagner, Kampen), man plaudert, ohne einander zuzuhören.

Zwei
Der Icherzähler fährt von Sylt mit dem Zug nach Hamburg zu seinem Kumpel Nigel. der -man ahnt es schon- im reichen Stadtteil Pöseldorf wohnt. Seine arrogante Haltung wird deutlich gegenüber dem Taxifahrer, der ihn zu Nigels Wohnung fährt.
"Aber das würde der Taxifahrer nicht verstehen, weil er ja sonst auch ein Jackett von Davies & sons tragen würde, sich die Haare abständig schneiden und kämmen und seinen Regenbogen-Friedens-Nichtraucher-Ökologen-Sticker von seinem Armaturenbrett reißen würde, Also zahle ich den Taxifahrer und gebe ihm noch ein dickes Trinkgeld, damit er in Zukunft weiß, wer der Feind ist."
Abends geht er mit Nigel auf eine Party, viele dort nehmen Drogen, er fühlt sich unwohl, nimmt aber auch eine ihm angebotene Pille und hat einen undefinierten Rausch.

Drei
Der Icherzähler verlässt Hamburg, angewidert von Nigel, der unter Drogeneinfluss zwei Partygäste zwecks Sex mit nach Hause genommen hat, ihn aber hat stehenlassen. Im Flugzeug nach Frankfurt provoziert er andere Fluggäste, etwa in dem er im Nichtraucherbereich raucht (was damals noch erlaubt war!). Herrlich sein Unbehagen, als ihm Joghurt in der Jackentasche ausläuft und seine Hose und seinen Sitz durchfeuchtet, die Peinlichkeit dieser Situation beschreibt Kracht einfach so schonungslos, wie eine solche Situation für alle so peinlich wäre. 

Vier
Im Hotel in Frankfurt denkt über seinen Internatsfreund Alexander nach, mit dem er befreundet war, sich mit ihm über seine Freundin gestritten hat, die er gar nicht ausstehen konnte und ihn dann aus den Augen verloren hat; soll er ihn in Frankfurt besuchen? Abends in einem Bistro trifft er ihn aber zufällig, der erkennt ihn nicht und so klaut er seine Barbour Jacke. Ja, aber warum?

Fünf
Per Zug geht es nach Heidelberg. In einer Bar lernt er eine Gruppe Studenten kennen, die ihn zu einer Party einladen, auf der er sich natürlicherweise ziemlich fremd fühlt und als er dann noch zu Koks und und homosexuellem Sex aufgefordert wird, betrunken meint er auch noch Nigel mit einer Spritze im Arm im Keller des Hauses zu sehen. Er hat einen Blackout.

Sechs
Und so weiß er zunächst nicht, wie er nach München gekommen ist und dort nun auf einem Rave gelandet ist. Ja, was junge Leute halt immer so machen. Party, Rave und Drogen. Dann dämmert es ihm, in Heidelberg war auf der Party auch ein Freund von ihm aus München namens Rollo, der ihn offenbar mitgenommen hat. Na ja. Weiter passiert nichts.

Sieben
Am folgenden Tag hat Rollo Geburtstag und feiert in seinem Elternhaus in Meersburg -na was?- eine Party. Und dort taucht auch wieder Karin auf, die er schon auf Sylt getroffen hatte. Und wieder flüchtet der Erzähler von der Party, diesmal nimmt er einfach Rollos Auto mit und fährt in die Schweiz.

Acht
Dort erfährt er aus der Zeitung, dass Rollo im Bodensee ertrunken ist mit zu viel Alkohol und zu viel Valium im Blut. IN Zürich fährt er dann aus schulnostalgischen Gründen zu einem Friedhof auf der Such nach den Grab von Thomas Mann, dass er aber in der beginnenden Dunkelheit nicht finden kann. Ende. 

Lesespaßfaktor:

Ein bisschen Easton-Ellis steckt in diesem Buch. Der Protagonist ist reich, schnöselig, egoistisch und überheblich, der Leser erfährt nicht, woher sein Wohlstand stammt. Sein Alter dürfte um die 30 sein, ohne das es genau beziffert wird. Er schaut auf fast alle Menschen in seiner Umgebung herab. Und es ist unfassbar 90er. Es gibt noch Hanuta, man trinkt Prosecco, Isabella Rossellini gilt als schönste Schauspielerin und überall trägt man Barbour Jacken und hört Technomusik. Zwischen der Handlung, der kleinen Reise durch Deutschland gibt es immer wieder Erinnerungen des Icherzählers an frühere Begebenheiten, wodurch man den Erzähler immerhin schrittweise etwas besser kennenlernt.

Kracht meint es auch nicht immer so gut mit den Deutschen. "Ab einem bestimmten Alter sehen alle Deutschen aus wie komplette Nazis." Oder die Ansicht des schnöseligen Icherzählers, dass Bedienstete ("diese Frau von den Philippinen...") doch bestimmte gerne für junge Leute kochen oder Hemden bügeln. Vermutlich ist das ironisch gemeint. 

Ist das nun große Literatur? Gar Schullektüre? Meines Erachtens nach nicht. Sprachlich einfach gehalten mit kurzen Sätzen und keinem komplizierten Vokabular, eher im Stil einer Reportage. Im Laufe der 8 kurzen Kapitel wird die Geschichte immer etwas abstruser (der Vater von Rollo unterstützt ein Ashram in Indien mit viel Geld). Nun ja, der kurze Roman  ist immerhin innerhalb von ein paar Stunden zu lesen.

♡♡




Donnerstag, 4. Dezember 2025

Robert Musil - Der Mann ohne Eigenschaften

 

Autor:

Musil (1880 - 1942) war ein österreichischer Schriftsteller und Theaterkritiker. Seiner Lebenszeit entsprechend war sein Schaffen geprägt durch den 1. Weltkrieg sowie die Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland und Österreich. Geschrieben hat er Novellen, Dramen, Essays, Kritiken und zwei Romane, 1906 'Die Verwirrungen des Zöglings Törleß' und eben dieses zur Weltliteratur zählende Hauptwerk, das von autobiographischen Aspekten mitbestimmt ist  und an dem Musil seit den 1920er Jahren bis zu seinem Tode fortlaufend gearbeitet hat, ohne es abschließen zu können. Er war interessiert sowohl an natur- als auch an zahlreichen geisteswissenschaftlichen Themen wie etwa Psychologie, er war Offizier im 1. Weltkrieg, studierte Maschinenbau. Zu Beginn der Naziherrschaft lebte er mit seiner jüdischen Frau in Berlin, und wanderte 1933 erst nach Karlsbad aus, ging dann nach Wien, um nach dem Anschluss an das deutsche Reich 1938 in die Schweiz zu emigrieren. 

Buch:

Ich habe einmal gehört, dass Musils opus magnum zu den Werken gehört, die viele Menschen besitzen, aber nie lesen. Das triggert mich natürlich, es selbst doch einmal zu versuchen. Auch dass es unter großen finanziellen Schwierigkeiten in problematischen Zeiten entstanden ist, der erste Teil schließlich 1930 erschien und das ganze Werk gar nicht vollendet ist, trägt bestimmt zum Mythos bei. Das Buch gehört zu den bedeutendsten Romanen des 20. Jahrhunderts.


Hauptfiguren:
  • Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, 32 Jahre alt, Mathemtiker
  • Leontine „Leona“, seine Freundin, Liedsängerin
  • Bonadea, seine Geliebte, Ehefrau eines Richters
  • Agathe, seine Schwester
  • Walter, Jugendfreund und Clarisse, seine Frau (25)
  • Se. Exzellenz Graf Stallburg, Freund von Ulrich's Vater
  • Se. Exzellenz Graf Leinsdorf, dessen Freund
  • Ermelinda ‚Hermine’ Tuzzi, Ulrich‘s Cousine, auch Diotima genannt
  • Hans ‚Giovanni‘ Tuzzi, Sektionschef, ihr Ehemann
  • Rachel, ihre Dienerin
  • Dr. Paul Arnheim, preußischer Freund von Hermine
  • Soliman, sein Diener (Negersklave)
  • Direktor Leo Fischel, jüdischer Prokurist einer Bank, auch Mitglied des Projektes
  • Klementine, seine Frau (aus adliger Familie)
  • Gerda, ihre gemeinsame Tochter, frühere Geliebte von Ulrich,
  • Hans Sepp, ihr Freund
  • von Meier-Ballot, Gouverneur der Staatsbank
  • Generalmajor Stumm von Bordwehr, Offizier im Kriegsministerium
  • Gottlieb Hagauer, Schuldirektor und Agathes Ehemann
  • Lindner, ein Lehrer und Dozent
Inhalt und Rezeption:

Erstes Buch:

Erster Teil: Eine Art Einleitung

Im August 1913 in Wien. Ein Lastwagen überfährt einen Fußgänger. Der Mann ohne Eigenschaften ist in seiner Wiener Wohnung, einem alten, kleinen Schloss und tut eigentlich nichts. ("...und man könnte ermessen, welche ungeheure Leistung heute schon ein Mensch vollbringt, der gar nichts tut."). Was ist denn ein Mann ohne Eigenschaften? Ein Mann, der sich selbst gegenüber keinen Wirklichkeitssinn aufbringt (sondern eher einen Möglichkeitssinn, es könnte nämlich auch alles anders sein). Ulrich wurde als Kind nach einem despektierlichen Aufsatz zum Thema österreichischer Vaterlandsliebe von seinem gesellschaftlich ehrbaren Vater in ein Internat nach Belgien geschickt, mit 32 Jahren kehrt er nach einigen Wanderjahren zurück nach Wien.

Seine Lebensgefährtin Leona wird mit herrlich ironischem Unterton vorgestellt. („…, und ihr Besitz erschien ihm begehrenswert wie der eines vom Kürschner ausgestopften großen Löwenfells.“). Nach einer Schlägerei wird er verletzt von der verheirateten Bonadea heimgebracht, die seine Geliebte wird. In kleinen Rückblicken wird erzählt von Ulrichs kurzer, aber unerfüllter Zeit beim Militär, bevor er die Mathematik für sich entdeckte. Er beginnt, seinen alten Jugendfreund Walter und seine Frau Clarisse zu besuchen, er will offenbar vergeblich musikalisch reüssieren will. An die gemeinsame Jugend denkend, betrachtet Ulrich die gesellschaftlichen Veränderungen, ein wenig hadert er mit ihnen, schön geschrieben und brandaktuell. Walter hingegen ist eifersüchtig auf ihn und versucht vergeblich, ihn Clarisse gegenüber schlecht zu machen. 

Berichtet wird über einen Mordprozess, ein brutaler Mord an einer Prostituierten, der Ulrich bewegt und im weiteren Verlauf des Buches wird auf diesen psychologischen Kriminalfall immer wieder rekurriert und gefragt, wo fängt Unzurechnungsfähigkeit eigentlich an? Und der Vater fordert ihn auf, in einem Komitee mitzuarbeiten, das in einigen Jahren das Thronjubiläum des österreichischen Kaisers vorbereiten soll. Das soll ihm dann endlich die väterlich gewünschte gesellschaftliche Anerkennung bringen. 

Zweiter Teil: Seinesgleichen geschieht

Ulrich geht tatsächlich in die Hofburg zu Stallburg und wird Mitarbeiter bei der so genannten Parallelaktion, bei der das 70 jährige Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I, das aber erst in fünf Jahren stattfindet, vorbereitet werden soll und vor allem großartiger werden soll als das im gleichen Jahr stattfindende des deutschen Kaisers Wilhelm II und es soll quasi der Geist der österreichischen Heimat gefunden werden. Er besucht ebenfalls auf Wunsch seines Vaters seine Cousine, über deren Entwicklung zu einer geistigen, schönen Frau im folgenden erzählt wird und die durch ihre Freundschaft zu Leinsdorf ebenfalls an der Parallelaktion teilnimmt, deren Mittelpunkt ihr Salon darstellt. 

Die Beziehung zu Bonadea geht in die Brüche, Ulrich hatte sie gefragt, ob sie sich aufgrund der außerehelichen Beziehung nicht schuldig fühlen würde, schien aber auch froh, dass sie daraufhin Schluss machte. Auf der Straße trifft er Fischel, der von ihm wissen will, was das Adjektiv ‚wahr‘ im Zusammenhang mit der Parallelaktion bedeuten soll, genauer den Begriffen Vaterlandsliebe, Österreich und Fortschritt? Was natürlich nicht zu beantworten ist. Ein kurzer kafkaesker Moment: durch eine unbedachte Äußerung gegenüber einem Polizisten wird er kurz inhaftiert und gar dem Polizeipräsidenten vorgeführt, der glücklich darüber ist, denn Graf Leinsdorf hatte ihn gerade um die nicht öffentlich bekannte Adresse von Ulrich gebeten, denn dieser wurde nun zum offiziellen Sekretär der Parallelaktion ernannt.

Die erste Sitzung des Komitees findet statt, auf der allerlei patriotisches Geschwätz stattfindet. Schön, wie Musil dem eine Pseudobedeutung und-schwere beimisst. Die Teilnehmer faseln dummes Zeug und wissen in Wirklichkeit gar nicht, was nun der darzustellende Patriotismus überhaupt ausmacht. Sowohl im Hause Tuzzi als auch bei den Fischels kommt es zu Beziehungsproblemen, einmal weil die Frau zu viel Zeit mit Arnheim verbringt, das andere Mal, weil die Ehefrau andere Ansprüche an ihren Mann hat und auch weil zunehmender Antisemitismus die Ehe vergiftet. 

Die Parallelaktion nimmt Fahrt auf, aber es passiert gar nichts Konkretes, alles geht in unspezifischen Unterausschüssen seinen unklaren Weg. Bonadea kommt zu Ulrich, will ihn zurück und irgendwie mitmachen bei der Parallelaktion. Und es wird beleuchtet, wie unterschiedlich Ulrich und Arnheim sind, beide mit Diotima in einer Art Beziehung verbunden, die sich gegenseitig aber nicht ausstehen können. Und auch Diotima wird Ulrich‘s Verworrenheit seiner Gedanken fremd. Clarisse kommt zu ihm und bittet um Unterstützung für ihren Vater, erzählt Ulrich aber auch von einer intimen Szene, die sie vor Jahren mit ihrem Vater hatte, auch wenn es nicht zur Vereinigung kam. Ulrich besucht Gerda auf Wunsch deren Mutter, er soll sie aus den antisemitischen Kreisen ihrer jungen Freunde entreißen. 

Durch Diotimas Engagement in der Parallelaktion entfremdet sie sich von ihrem Mann, der als Beamter mit den unkonkreten Zielen dieses Projektes nichts anfangen kann und eifersüchtig ist auf Arnheim. Verwunderlich ist, wie Soliman dargestellt wird, alle Vorurteile über Schwarze enthaltend, das würde heute so nicht mehr geschrieben werden können. Schön, wie General Stumm beschrieben wird, der zivilisierte Militär im kulturellen Kreis der Aktion. Ulrich bewegt sich in den vielen Treffen immer mit einer ironischen Distanz, die Diskussionen findet er leer und zu vergeistigt. Und er wundert sich, dass Tuzzi dieses in seinem Haus geschehen lässt. 

Bei einer Unterhaltung mit Diotima konfrontiert Ulrich seine Cousine mit ihrer Beziehung zu Arnheim, der Leser erfährt, dass dieser ihr sogar die Heirat angetragen hat. So schwankt das Buch immer wieder zwischen der großen, gesuchten Idee für die österreichische Monarchie und den kleinen Gedanken, die die einzelnen Protagonisten umtreibt. Aber auch zwischen den beiden knistert es durchaus. Bei einem Besuch bei Gerda erfährt Ulrich von ihrem Mann, dass es nun eine Gegenbewegung zur Parallelaktion geben wird, die den gemeinsamen deutschen Geist in dem Mittelpunkt des Thronjubiläums stellen will, um der Verslawung Österreichs entgegenzuwirken. 

Die zwischenmenschlichen Beziehungen blühen: Rachel und Soliman kommen einander näher, in der Ehe von Clarisse und Walter kriselt es heftig, sie wirft ihm vor: „Statt selbst etwas zu leisten, möchtest du dich in einem Kind fortsetzen.“ Gerda eilt zu Ulrich, um ihm eine Erkenntnis ihres Vaters weiterzuleiten, wonach Arnheim es weniger auf Diotima als auf die galizischen Ölfelder abgesehen habe. Dieser glaubt zunächst, sie sei nur gekommen, um ihm wieder ihre Liebe zu gestehen, der Versuch mit ihr zu schlafen scheitert grotesk an einem hysterischen Anfall Gerdas. 

Intensiver wird das Verhältnis von Ulrich zu Arnheim beleuchtet, das beidseitig ambivalent ist und zwischen Anerkennung und Konkurrenz schwankt, immerhin bietet Arnheim Ulrich einen Job in seinem Unternehmen an, den er aber nicht annehmen will. Als er an diesem Abend nach Hause kommt, erfährt er, dass sein Vater gestorben ist, was ihn genauso kalt lässt wie der Besuch von Clarisse, die von ihm ein Kind will und nicht von ihrem Ehemann.

Zweites Buch

Dritter Teil: Ins Tausendjährige Reich (Die Verbrecher)

Ulrich reist in seine Geburtsstadt zur Beerdigung seines Vaters und trifft nach Jahren mal wieder auf seine Schwester Agathe. Sie nähern sich an, vergleichen ihre Erinnerungen. Vertrauen zwischen ihnen entsteht, Agathe bittet ihren Bruder gar um Hilfe, um ihren ungeliebten zweiten Ehemann loszuwerden. Und sie beschließen, dass sie zu Ulrich in die Stadt zieht. In Sachen Parallelaktion wird Ulrich nach seiner Rückkehr von General Stumm über die neuesten Entwicklungen in Kenntnis gesetzt, die betreffen vor allem einen geheimen möglichen Deal zu den o.e. ukrainischen Ölfeldern mit Arnheim. Ulrich verkündet, er wolle sich aus der Aktion verabschieden. 

Seine Schwester Agathe will ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und zu Ulrich in die Stadt ziehen. Ist sie heimlich in ihren Bruder verliebt? Jedenfalls sinniert sie über ihr bisheriges Leben, aus Angst vor der Zukunft hat sich sogar eine Giftkapsel besorgt, um jederzeit aus dem Leben scheiden zu können. Aber noch schaut sie voller Vorfreude auf den nächsten Abschnitte, ohne ihren Ehemann, denn diese Ehe will sie beenden. Ulrich seinerseits sieht die geplante Ankunft seiner ihm eigentlich fremden Schwester, sie waren nämlich nicht gemeinsam aufgewachsen, mitgemischten Gefühlen und fühlt sich dadurch bedroht, auch er denkt aber an eine verbotene geschlechtliche Beziehung. Von seiner Geliebten Bonadea trennt er sich aber schon einmal. Als Agathe dann bei ihm einzieht, führen sie viele Gespräche und lernen sich kennen und schätzen, bezeichnen sich gar als Zwillinge. 

Agathe will sich scheiden lassen, Ulrich schreibt entsprechend an ihren Ehemann Hagauer, in eine Scheidung einzuwilligen, doch das will dieser nicht. Der Leser lernt Hagauer nun etwas besser kennen, der an Agathe u.a. folgende Worte schreibt: „Du bist vielleicht das strikteste Gegenteil einer ins Leben gerichteten uns seiner kundigen Menschenart, wie ich sie selbst darstelle, aber gerade darum solltest du dich nicht leichtfertig der Stütze entäußern, die ich dir biete!“ Er verlangt, dass sie zu ihm zurückkehre, sie ist verzweifelt und denkt über Suizid nach. Als sie verzweifelt am Waldrand am Grabe eines Poeten ausharrt, der sich umgebracht hatte, trifft sie auf einen Herrn namens Lindner, ein Lehrer und Dozent, der sowohl ihren Mann als auch ihren Bruder kennt und sie aus ihrer Verzweiflung befreien möchte.

Und der Fall Moosbrugger taucht schon wieder auf. Diesmal wollen Clarisse, Ulrich und Stumm den zum Tode Verurteilten in der Psychiatrie besuchen. Genussvoll wird bei einer Besichtigung der Anstalt die Gegenwelt mit all den Verrückten dargestellt, Ekel und ein wohliger Schauer breitet sich bei den Besuchern aus, aber zum Treffen mit Moosbrugger kommt es nicht, da ein Zwischenfall den Arzt zu einem anderen Patienten ruft, vermutlich inszeniert, denn die Rechtmäßigkeit des Todesurteils will man wohl nicht durch eine Dame der Gesellschaft anzweifeln lassen. 

Zum Schluss des unvollendeten Romans geht es noch einmal um die Parallelaktion: Bei Diotima treffen sich wieder alle, diesmal erweitert um alle möglichen gesellschaftlichen Koryphäen, jeder will dabei sein, aber es kommt nicht dabei heraus, das ganze ist bloß ein Symbol dafür, dass in dieser österreichischen Gesellschaft alle dabei sein wollen, sie aber zu keinen konkreten Beschlüssen mehr fähig ist, die Personen verbergen sich hinter ihren schwülstigen Titeln und banalem Geplauder. Das mag ich  dann auch nicht mehr im Detail lesen. 

Am Ende bin ich froh, dass der Roman endlich zu Ende ist, ohne zu Ende zu zu sein, es war schon ziemlich anstrengend, da am Ball zu bleiben. Ich möchte mir nicht ausmalen, wieviel länger er geworden wäre, hätte Musil ihn beenden können.

Lesespaßfaktor:

Das Werk weist keine chronologische Handlung auf, es mäandert auf sehr vielen Seiten durch das Leben von Ulrich, einem Mann, der bedeutend werden will, aber nicht weiß, wie das anzustellen ist. Ankerpunkt ist die Jetztzeit, als er mit 32 Jahren im Wien der Vorkriegszeit (1. Weltkrieg) lebt. Musil übt Kritik an der technologieversessenen Gesellschaft und dem damit verbundenen Verlust von Menschlichkeit („…, daß die Mathematik, Mutter der exakten Naturwissenschaft, Großmutter der Technik, auch Erzmutter jenes Geistes ist, aus dem schließlich Giftgase und Kampfflieger aufgestiegen sind.“). Die Dichte schöner, wertvoller Gedanken ist immens! Aktuelle Politik der direkten Vorkriegszeit spielt immer wieder eine Rolle, dazu gehört auch die Zerrissenheit der KuK Monarchie. Aber im Mittelpunkt stehen Introspektionen der Hauptfiguren, alle fragen sich irgendwie, wer sie sind in der Welt und wie sie im Vergleich zu den Menschen in ihrer Umgebung dastehen. 

Es gibt sehr viele tolle Sprachbilder, wie dieses hier: „Als auch das vorbei war, war nichts geschehen; zurückquellendes Tagesgerede füllte die Leere aus, und die Zeit setzte Bläschen an wie ein Glas schales Wasser.“  oder dieses hier: „Sie war eines eines jener reizend heutigen Mädchen, die auf der Stelle Omnibusschaffner würden, wenn eine allgemeine Idee dies verlangte.“ Oder: „Du bist ein Mensch, der das Büchsengemüse für den Sinn des frischen Gemüses erklärt!“

Ein Stilmittel Musils ist die Ironie, manchmal schon Satire, etwa als er über die Vereinsmeierei spottet. Amüsant ist es auch, wie 1930 in gehobenen Kreisen über Sexualität philosophiert wurde. 

Aber es gibt auch zahlreiche Längen, etwa die langatmige Geschichte des verurteilten Straftäters Moosbrugger. Der heutige Leser hätte meines Erachtens nach mehr von dem Buch, wenn es deutlich kürzer wäre. Vor allem die letzten Kapitel strapazieren über die Massen die Geduld der Leser.

Freitag, 25. Juli 2025

John Steinbeck - Früchte des Zorns



Autor:

Steinbeck wurde am 27. 2.1902 in Salinas, Kalifornien geboren, er starb am 20.12.1968 in New York City. Er war ein US-amerikanischer Schriftsteller und einer der meistgelesenen Autoren des 20. Jahrhunderts, hat zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Novellen und Drehbücher verfasst. Zeitweilig arbeitete er als Journalist, war 1943 Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg. 1940 erhielt er den Pulitzer-Preis für seinen Roman Früchte des Zorns und 1962 den Nobelpreis für Literatur. Seine Großeltern haben europäische Wurzeln (deutsch, irisch), die Großeltern väterlicherseits haben lange in Palästina gelebt. Sein abgebrochenes Studium in Stanford finanzierte Steinbeck mit Gelegenheitsjobs auf dem Bau, wo e viele Menschen kennenlernte, die später in seinen Romane typisiert wurden, Es dauerte länger, bis er als Schriftsteller Erfolg hatte. Aus den Recherchen für Zeitungsartikel über Wanderarbeiter entstammen die Ideen zur Novelle 'Von Mäusen und Menschen' und zu dem hier zu besprechen Werk, beides bis heute riesige Erfolge. 

Freitag, 27. Juni 2025

Friedrich Schlegel - Lucinde

 

Autor:

Schlegel (* 1772 in Hannover als Pfarrerssohn; † 1829 in Dresden), war ein deutscher Kulturphilosoph, Schriftsteller, Literatur- und Kunstkritiker, Historiker und Altphilologe. Er war neben seinem Bruder August Wilhelm Schlegel einer der wichtigsten Vertreter der „Jenaer Frühromantik“. Schlegels Ziel war nach eigenem Bekunden die verbindende Darstellung von Philosophie, Prosa, Poesie, Genialität und Kritik. Er war Anhänger der Philosophie Fichtes und persönlich bekannt mit Schiller, Goethe und Herder. Er studierte unter anderem Altphilologie und Philosophie. Anfangs beeinflusst von der Aufklärung, wandte er sich bald der romantischen Idee der Kunst, Individualität und Ironie zu. Neben Literaturkritik schrieb er auch über Geschichte, Sprache, Religion und Philosophie. Er gilt als Vordenker der literarischen Romantik. Seine Schriften trugen dazu bei, Kunst und Poesie als zentrale Ausdrucksformen menschlicher Freiheit und Tiefe neu zu definieren.