Autor:
Michael Köhlmeier ist ein österreichischer Schriftsteller und Musiker, geboren 1949 in Hard am Bodensee. Bekannt wurde er vor allem durch seine zahlreichen Romane, Essays und seine freien Nacherzählungen antiker Mythen und biblischer Stoffe. Für sein vielseitiges Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Österreichischen Staatspreis für Literatur.
Buch:
Der Titel des Buches referenziert auf Schiffe, die russische Intellektuelle in den Westen brachten, die alle nicht mehr erwünscht waren im neuen bolschewistischen System, aber andererseits nicht als so gefährlich galten, dass man sie gleich hätte beseitigen müssen. Ich habe irgendwo mal eine positive Kritik gelesen, weshalb das Werk auf meiner Leseliste gelandet ist.
Hauptfiguren:
- Frau Professor Anouk Perleman-Jacob (APJ)
- Maria 'Mascha', ihre Mutter, Ornithologin
- Michael 'Mischa', ihr Vater, Schriftsteller
- Nikolai Gumiljow, Dichter und Liebhaber der Mutter
- Agafon Abramowitsch Morosow,
- Alic Winegard, ihre amerikanische Assistentin
Inhalt und Rezeption:
Der namenlose Icherzähler ist ein Schriftsteller, der zur Feier des 100. Geburtstags der berühmten russisch-stämmigen Architektin APJ eingeladen wurde, da sie ihn engagieren will, über ihr Leben zu schreiben.
Ihre Geschichte beginnt 1922 in St. Petersburg, es ist die Zeit nach der russischen Revolution, die Familie musste erst zwangsweise in eine kleinere Wohnung umziehen, wird dann des Landes verwiesen, weil der Vater, selbst ein Schriftsteller, einen terroristischen Schriftsteller kannte, der aber zu den Menschewiken und nicht den Bolschewiken gehörte und damit ein potenziell konterrevolutionäres Element war. Im zwischenmenschlichen Bereich hatte die Mutter von APJ während eines Aufenthaltes in Paris ein Verhältnis mit Nikolai, dem besten Freund ihres Mannes, hat sogar eine Schwangerschaft abgebrochen.
Auf dem Schiff, dem 'Philosophenschiff', das Platz für 2.000 Menschen hätte, sind nur 12 Passagiere und vier Aufseher, ein älteres Paar begeht gleich zu Beginn Selbstmord, ein junger Mann wird vorgeblich verhaftet, der scheinbar gezwungen wurde, zuzugeben, er habe die tödlichen Pillen an Bord gebracht. Später entpuppen sich diese Leute als die Eltern eines Attentäters, der einen Anschlag auf Lenin verübt haben soll. Kurz werden die anderen Passagiere vorgestellt und APJ sinniert darüber, warum sie auf dem Schiff gelandet sein könnten. Aber der Leser lernt keine der Personen wirklich kennen.
Das Schiff bleibt für mehrere Tage irgendwo stehen, ein anderes Boot kommt und bringt einen weitere Passagier an Bord, der in der 1. Klasse residiert, das ist Lenin. Es gibt ein banales Gespräch zwischen der 14-jährigen und dem kranken Revolutionäre. Und dann kommt noch heraus, dass ihre Eltern auch die Eltern eins vermeintlichen Attentäters kannten, der wiederum mit Nikolai befreundet war, ein möglicher Grund für die Ausweisung der Familie. Das Schiff bleibt wieder stehen, ein weiterer Mann kommt an Bord, der redet auf Lenin ein, wirft ihn dann von Bord, ohne Namensnennung war das wohl Stalin. Ende des Buches.
Ähnlich wie in der Rahmengeschichte, in der AJK's Assistentin kurz auftaucht, die eine linke Terroristin war, weshalb AJK aus den USA ausgewiesen wurde, wo sie als Professorin für Architektur lehrte. Apropos Terrorismus. Der namenlose Erzähler hat einen alten Freund, der RAF Sympathisant war.
Lesespaßfaktor:
Die fiktive Geschichte wird verwoben mit realen historischen der russischen Geschichte nach der Oktoberrevolution von 1917. Sie ist aber doch etwas banal geschrieben. Die Bolschewiken waren schlecht - ja, das waren sie-, sie nutzen gezielt Propaganda für ihre Zwecke - ja, genau wie heute Putin. In Bruchstücken werden die verschiedenen Zwangsmaßnahmen der russischen Autoritäten erwähnt. Jeder sollte jedem misstrauen.
Irgendwie werde ich mit dem Roman nicht so richtig warm, alles fühlt sich seltsam distanziert an. Und es gibt keine wirkliche Geschichte. Eigentlich soll über die Verbannung berichtet werden, dann geht es plötzlich um freie Liebe, was soll das? Für mich insgesamt ein schwacher Roman, es überrascht mich, dass das Buch ein Verkaufserfolg war.
♥♡♡♡♡
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