Mittwoch, 7. Januar 2026

Rainer Maria Rilke - Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

 

Autor:

Rainer Maria Rilke wurde 1875 in Prag geboren und zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern der Moderne. Nach einer schwierigen Kindheit und militärischer Ausbildung, die er früh abbrach, wandte er sich ganz der Literatur zu. Prägend für sein Werk waren ausgedehnte Reisen durch Europa, Russland und später nach Paris, wo er zeitweise als Sekretär des Bildhauers Auguste Rodin arbeitete. Rilkes Dichtung kreist um existenzielle Fragen von Liebe, Tod, Einsamkeit und Verwandlung. Rilke starb 1926 in der Schweiz, doch vor allem seine Gedichte wirken bis heute durch ihre zeitlose Intensität und innere Klarheit fort.


Buch:

1910 veröffentlichten Romans in Tagebuchform von Rainer Maria Rilke. Der Roman wurde 1904 in Rom begonnen und reflektiert unter anderem die ersten Eindrücke eines Paris-Aufenthaltes des Autors von 1902/03. Das 1908–1910 in Paris vollendete Werk erschien 1910 und blieb Rilkes einziger Roman. Da ich selbst eher ungern Lyrik lese, aber am Autor interessiert bin, habe ich mir zur Lektüre dieses Werk, das in Tagebuchform geschrieben ist, ausgesucht. Das Buch wurde in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher und auch in die 100 Bücher des Jahrhunderts von Le Monde aufgenommen.
 
Hauptfiguren:
  • Malte Laurids Brigge, 28 Jahre, Schriftsteller
Inhalt und Rezeption:

Der Aufenthalt in Paris:
Der Icherzähler ist seit 3 Wochen in Paris und als Landei verändern ihn die Eindrücke nachhaltig, der Lärm von Straßenbahnen und Autos, die vielen Menschen, die Vielzahl an Gebäuden. Er mag nicht einmal mehr seinen Freunden daheim darüber berichten. ("Wenn ich mich verändere , bleibe ich ja doch nicht der, der ich war, und bin ich etwas anders als bisher, so ist klar, daß ich keine Bekannten habe. Und an fremde Leute, an Leute, die mich nicht kennen, kann ich unmöglich schreiben."). Es kommt ihm so vor, als ob sein Leben vorher völlig ereignislos verlaufen ist. Belangloses wird langatmig beschrieben, etwa als ein Mann vor ihm herläuft und immer wieder seltsam hüpft. 

Erinnerungen an seine Familie auf dem Lande:
Der Großvater, Kammerherr Briggs und sein Tod, ein personifizierter Tod, der sich Wochen Zeit lässt und die Dienerschaft terrorisiert. Der andere Großvater, Graf Brahe, in dessen Schloss er sich im Esszimmer unwohl fühlte und andere Familienmitglieder beobachtete (darunter eine eigentlich verstorbene Tante). Und so skurrile, aber banale Begebenheiten wie sein erstes Fieber oder die Suche nach einem Stift unter einem Tisch im Dunkeln, wo plötzlich eine andere Hand auftaucht oder sein Zurückziehen in ein verlassenes Zimmer, wo in Schränken bunt Kleidung und verschiedene Masken fand und ausprobierte. Warum sollt einen Leser so etwas interessieren? Oder wie Wandteppiche beschrieben werden? Wenn es mal interessant werden könnte, bricht Rilke die Geschichte ab, etwa als es um seine erste Liebesbeziehung zu einer Angestellten geht. 

Lesespaßfaktor:

Das einzige Prosawerk Rilkes fängt mich nicht ein. Wieder ein Bewusstseinsstrom, anders als bei 'Ulysses' immerhin in in ganzen Sätzen, aber mir erschließt sich meistens gar nicht, worum es in den Gedanken überhaupt geht, es wirkt wie eine Aneinanderreihung von Worten. Hier ein Beispiel für einen der vielen kruden Gedankengänge, es geht um eine Büchse! 
" Es ist ja auch etwas geradezu Ideales, geduldig und sanft eingedreht auf der kleinen Gegenwulst gleichmäßig aufzuruhen und die eingreifende Kante in sich zu fühlen, elastisch und gerade so scharf, wie man selber am Rande ist, wenn man einzeln daliegt." 
Alles klar? Entsprechend ist das Werk fragmentarisch, handlungslos, die meisten der 71 Absätze behandeln irgendwie die Familiengeschichte. Manchmal erzählt er von sich in der Vergangenheit in der dritten Person, alle Personen, meist die Familienmitglieder, sind irgendwie unbeseelt, der Leser lernt eigentlich keine wirklich kennen. Ob Malte Laurids Brigge ein interessantes Leben hatte, auf das er hier zurück blickt, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Das letzte Viertel der Lektüre habe ich mir erspart.

♡♡

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