Donnerstag, 29. Oktober 2026

Valeria Gordeev - Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle

 

Autor:

Valeria Gordeev wurde 1986 in Tübingen als Tochter sowjetischer Einwanderer geboren. Sie studierte Mathematik und Illustration in Berlin sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Ihr literarischer Durchbruch kam 2023 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis für den Text 'Er putzt'. Darin wird eine scheinbar alltägliche Tätigkeit literarisch so intensiv betrachtet, dass sie zunehmend eigenartig und vieldeutig erscheint.

Buch:

Aus der genauen, gelegentlich grotesken Beobachtung des Alltäglichen entsteht hier ein weitverzweigtes Gesellschaftspanorama zwischen Berlin, Moskau und Kiew. Dabei verbindet Gordeev Familiengeschichte, russische und sowjetische Vergangenheit, gegenwärtige Politik, Wissenschaft, absurde Komik und fantastische Elemente. Auch formal ist das Buch ungewöhnlich: Es arbeitet mit unterschiedlichen Textsorten, Perspektiven und Illustrationen. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch durch die Nominierung für den Deutschen Buchpreis, den das Werk allerdings nicht gewonnen hat.

Hauptfiguren:
  • Lada Molot
  • Konstantin Molot, ihr Bruder, arbeitet im Institut für biologische Strukturen in Moskau
  • Boris Bogdnov, sein reich gewordener Patenonkel.
Inhalt und Rezeption:

Los geht es mit einer medizinischen Studie über ein stimmungsaufhellendes Nasenspray, später erweitert sich das Szenario auf alle möglichen Studien, mit denen ein Misch, den Lada im Bus kennenlernt, Geld verdienen will.  

Dann kommt eine Live-Übertragung über eine Ausgrabung im Süden von Moskau, bei der man anhand von Bodenproben die Erdgeschichte analysieren kann und offenbar unterirdisch sich vorarbeiten kann bis unter den Roten Platz. Hier merkt der Leser bereits, es geht nicht um technisch Machbares, sondern um Visionen. 

Nächster Gedanke ist der historisch korrekte Vormarsch der Gruppe Wagner unter Prigoschin auf Moskau, der vor ein paar Jahren tatsächlich stattfand. 

Seitenweise irgendwelche Sprachspiele mit deutschen Wörtern und ihrer Darstellung in kyrillischen Buchstaben, die wohl kaum ein Leser nachvollziehen kann. 

Dann lernt der Leser Konstantin kennen, der in Moskau auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch ist, hinter dem sich sein reicher Patenonkel Boris verbirgt. Hängen bleibt sein Stottern und seine Behandlung durch eine Logopädin. Später arbeitet er im unterirdischen Institut für biologische Strukturen, das sich unter dem Lenin Mausoleum befindet. Konstantin irrt unterirdisch in einem weitgehend verlassenen Magazin im Institut umher, um irgendetwas aus alten Studien für Boris zu suchen, was ihm wohl Unsterblichkeit bringen soll. Und er bringt zahlreiche Regale zum Einsturz. Na toll!

Lada reist mit dem Bus oder dem Flugzeug nach Kiew, erinnert sich an ihre Großeltern, an ihre Kindheit und frühere Reisen.

Dann wird über das Leben des o.e. Oligarchen Boris erzählt, vor allen Dingen u detailliert über alle Schwierigkeiten bei seiner Geburt im Nachkriegsberlin.

Es folgt eine Geschichte über eine konsekrierte Hostie in Argentinien, an der plötzlich echtes menschliches Blut gefunden wird.

Schließlich gebe ich auf Seite 200 die Lektüre auf. 

Lesespaßfaktor:

Wirre Handlungen, ohne erkennbaren Zusammenhang, zumindest nach 200 Seiten. Das macht einfach keine Lust aufs Lesen. Nicht, dass die Autorin nicht über ein gewisses schriftstellerisches Talent verfügt, aber sie kann es für mich nicht in eine spannenden Geschichte übertragen. So etwa nerven den Leser die eingeschobenen kyrillisch geschriebenen Worte. Die Personen lerne ich auch nicht wirklich kennen. die Kritik nennt es ein "groteskes, enzyklopädisches Welttheater" genannt, na ja! Ich nenne es ein Buch, das mich überhaupt nicht anspricht. 


♥♡♡♡♡